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Initiativkomitee
«Ja zum Verhüllungsverbot»
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"Schluss mit der Panikmache!"

Verhüllungsverbot und Tourismus

In Debatten über ein nationales Verhüllungsverbot im öffentlichen Raum wird häufig ins Feld geführt, dieses schade dem Schweizer Tourismus, weil die Hotellerie stark auf wohlhabende Besucher aus dem arabischen Raum angewiesen sei, deren Frauen sich teilweise ganzkörper-verhüllt in der Öffentlichkeit bewegten. Es wird oft die Befürchtung geäussert, bei Einführung eines Verhüllungsverbots würden diese Personen nicht mehr in die Schweiz einreisen, was zu Einnahme-Ausfällen führe.

Bereits bevor die Stimmbürger des Kantons Tessin – der Tourismus-Kanton par excellence – am 22. September 2013 mit überwältigender Mehrheit von 65,4% an der Urne Ja zu einem Verhüllungsverbot im öffentlichen Raum sagten, wurde das Schreckgespenst des einbrechenden Tourismus an die Wand gemalt. Im Tessin sind die spürbaren Konsequenzen bislang allerdings ausgeblieben, der Volkswille wird breit akzeptiert. Entsprechend zurückhaltend äussern sich Vertreter der Tessiner Tourismus-Organisationen. In einem Bericht von SRF News vom November 2015 wird der Direktor der Tourismusbehörde «Ticino Turismo», Elia Frappoli, dahingehend zitiert, dass «längst nicht alle Touristinnen aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten das Gesicht auch tatsächlich bedecken» würden. Es sei schwierig, genau einzuschätzen, welche Konsequenzen die Entscheidung zum Verhüllungsverbot auf den Tourismus im Tessin habe, sagt er. Der Anteil von Gästen aus den Golfstaaten betrage im Tessin 1,7%, allerdings bei wachsender Tendenz. Elio Frappoli sagt klar: «Die Mehrheit der Touristen aus diesen Ländern betrifft das Verhüllungsverbot eigentlich nicht.» Wie hoch der Anteil an vollverschleierten Frauen bei den Gästen aus den Golfstaaten wirklich ist, ist unseres Wissens statistisch nicht erfasst.

Die Relationen sehen

Gemäss Bundesamt für Statistik verzeichnete die Schweiz im Jahr 2015 bei Hotels und Kurbetrieben insgesamt 35,6 Millionen Logiernächte (-0,8% gegenüber 2014). Der Rückgang ist hauptsächlich auf einen regelrechten Einbruch an Übernachtungen aus dem europäischen Ausland zurückzuführen. Von allen Logiernächten sind ca. 850‘000 Gästen aus den Golfstaaten zuzuordnen, was einem Anteil von 2,4% entspricht. Zweifellos ist hochzuhalten, dass die Logiernächte von Gästen aus den Golfstaaten im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr um 20,6% gestiegen sind, während die ausländischen Logiernächte insgesamt um 1,7% auf gesamthaft 19,6 Millionen gesunken sind. Touristen aus den Golfstaaten – von denen sich einzelne Besucherinnen vollverschleiert im öffentlichen Raum bewegen – haben für den Schweizer Tourismus in der Tat eine wachsende Bedeutung. Nicht zuletzt auch, weil diese bei ihren Schweiz-Reisen überdurchschnittlich viel Geld ausgeben (gemäss Schweiz Tourismus waren es im Jahr 2014 330 Millionen Franken, die in Schweizer Kassen geflossen sind – bei steigender Tendenz). Von diesem Geld profitieren allerdings vor allem einzelne Branchen (vorwiegend Hersteller von Luxusartikeln) und ausgewählte Regionen (städtische Regionen, die Genfersee-Region und das Berner Oberland).

Mit Abstand am entscheidendsten für die Entwicklung des Tourismus ist hingegen die inländische Nachfrage, welche mit 16,1 Millionen Logiernächten im Jahr 2015 über 45% der gesamten Logiernächte ausmachte und im Vergleich zum Vorjahr um 0,2% gestiegen ist. Ähnlich positiv wie die Zunahme an Logiernächten aus den Golfstaaten sind für den Schweizer Tourismus zudem die Logiernächte aus China, Indien und Südkorea, welche gegenüber 2014 um 33,3%, 22% resp. 20,5% zugenommen haben. Chinesische Gäste brachten dem Schweizer Tourismus im Jahr 2015 über 1,25 Millionen Logiernächte (50% mehr als Gäste aus den Golfstaaten).

Trotz Minarettverbot: Handel mit arabischen Staaten floriert

Die Frage, ob ein nationales Verhüllungsverbot dem Schweizer Tourismus und dem Image des Landes im Ausland generell schade, ist unter Anbetracht aller Fakten vorzugsweise mit nüchterner Gelassenheit zu beurteilen. Schon im Kontext der Volksabstimmung über ein Minarettverbot im Jahr 2009 warnten Tourismusvertreter im Falle einer Zustimmung vor drohenden Umsatzeinbrüchen und negativen Folgen für die Schweizer Exportwirtschaft in den muslimischen Ländern – und speziell in den Golfstaaten. Sechseinhalb Jahre später kann man ruhigen Gewissens sagen, dass von diesen Drohungen rein gar nichts eingetroffen ist. Die Ausfuhren nach Saudi-Arabien haben gemäss Bundesamt für Statistik von 2009 bis 2014 beispielsweise um ganze 280% zugenommen, auf knapp 4,6 Milliarden Franken. Die Ausfuhren in die Vereinigten Arabischen Emirate explodierten um 265% – auf 5,9 Milliarden. Und dieses hohe Niveau wurde trotz «Franken-Schock» und Minarettverbot erreicht!

Entgegen anderslautender Behauptungen achten die meisten Muslime die nationale Souveränität der Schweiz und akzeptieren deren Volksentscheide. Sie erkennen, dass sowohl das Minarett- als auch das Verhüllungsverbot die Religionsfreiheit in keiner Weise tangieren. Wer meint, ein europäischer Staat, welcher sich mit einem nationalen Verhüllungsverbot auf seine abendländisch-gewachsenen rechtlichen Rahmenbedingungen besinnt, erzürne die Muslime der ganzen Welt und schwäche die Schweizer Wirtschaft, schätzt die Lage völlig falsch ein. Genauso, wie die meisten muslimischen Staaten den Touristen unmissverständlich ihre Regeln aufzeigen, akzeptieren diese, wenn ein mitteleuropäischer Staat wie die Schweiz seinerseits für seine Gäste gewisse verbindliche Hausregeln aufstellt. Zentral für die Abnehmer der Schweizer Exportindustrie in den arabischen Staaten sind Stabilität, Zuverlässigkeit und das Preis-/Leistungsverhältnis der Produkte. Es spielen simple marktwirtschaftliche Gesetze, vor denen sich die Schweizer Exportunternehmen im internationalen Vergleich bekanntlich keineswegs verstecken müssen.

Die Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot» so zu formulieren, dass für Touristen Sonderbestimmungen gälten, wäre rechtsstaatlich bedenklich gewesen. Wir wollen keine Ungleichbehandlung von in der Schweiz lebenden Menschen und Touristen. Die Attraktivität der Tourismusdestination Schweiz hängt von vielerlei Faktoren ab: von der Schönheit der Landschaften, der Transport-Infrastruktur, den Freizeit- und Ausgehmöglichkeiten, Sauberkeit, Preise, Kulinarik – und nicht zuletzt von der Qualität der Hotellerie in Sachen Service und Freundlichkeit des Personals. Ganz zentral ist zudem der Aspekt der Sicherheit. Die stabile innere Ordnung der Schweiz ist einer der wesentlichen Faktoren, weshalb ausländische Touristen unser Land so gerne besuchen. Gerade in Zeiten akuter Terrorgefahr – nach den Terroranschlägen in Brüssel und Paris – darf niemandem in Europa zugemutet werden, im öffentlichen Raum einer ganzkörper-verhüllten Person zu begegnen!

Frankreich: Touristische Weltspitze

Verschiedene europäische Staaten, darunter Frankreich, Holland und Belgien, kennen bereits seit einigen Jahren ein Verhüllungsverbot im öffentlichen Raum. Frankreich, wo das Burkaverbot im öffentlichen Raum im April 2011 in Kraft getreten ist, war im Jahr 2013 mit über 84 Millionen Besuchern weltweit das Reiseziel Nummer eins für ausländische Touristen – das entspricht im Vergleich zu 2010 einer Zunahme von 8 Millionen Besuchern (+10%). Laut de.statista.com war Frankreich mit 86,3 Millionen ausländischen Touristen auch im Jahr 2015 Weltspitze. Der Erfolg ist insbesondere auf eine rasante Zunahme an Gästen ausserhalb der EU zurückzuführen, auch aus den arabischen Staaten.

Das Burkaverbot als Wachstumskiller des französischen Tourismus? Die Realität ist eine andere! Die Schweizer Tourismus-Funktionäre tun gut daran, sich auf innovative Angebote und einen guten Service für ihre Gäste zu konzentrieren statt mit dem Verhüllungsverbot ein irrationales Schreckgespenst hochzustilisieren.

Es stünde ja sehr bedenklich um den Schweizer Tourismus, wenn seine ganze Existenz an einer kleinen Prozentzahl verhüllter Touristinnen hängen würde. So mutet es aber an, hört man den Gegnern der Verhüllungsverbots-Initiative zu. Interessant dabei ist, dass sich unter diesen Stimmen auch jene Kreise befinden, welche Waffenexport-Verträge mit den Golfstaaten vehement mit dem Argument ablehnen, mit «Unrechtsstaaten», die sich um westliche Grundwerte foutierten und Frauen benachteiligten, dürfe die Schweiz keine Geschäfte machen. Erkennen Sie die Widersprüchlichkeit?


Anian Liebrand,
Mitglied Initiativkomitee «Ja zum Verhüllungsverbot»

10. April 2016