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Zutritt nur mit Kopftuch

Die Technische Universität Dortmund liess 2012 – wie jetzt an zwei Schulen im Kanton ­Luzern geschehen – einen «Raum der Stille» einrichten. Nun wird der Gebetsort zu einem «Baby- und Ruheraum» umfunktioniert. Muslime missachteten die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Von Christian Huber

Die Leitung der Technischen Universität Dortmund hatte es sich so schön vorgestellt, als sie Anfang 2012 im dritten Stock des Physikgebäudes einen «Raum der Stille» einrichten liess, der Studierenden aller Glaubensrichtungen als Rückzugsort für Gebet, Einkehr und Medita­tion dienen sollte – ein Ort der Ruhe im hektischen Uni-Alltag.

Wichtig war der Hochschule, dass es ein «religiös neutraler Ort» sein sollte, der – nicht nur, aber auch – muslimischen Studenten, die zuvor im Treppenhaus gebetet hatten, zur Verfügung stehen sollte. Noch 2008 hatte der damalige Rektor die Einrichtung eines solchen Raumes abgelehnt. Die gebotene Neutralität und die überkonfessionelle Natur einer aus Steuer­mitteln finanzierten öffentlich-rechtlichen ­Universität verböten es, Mitgliedern der ­unterschiedlichen Religionen und Glaubensrichtungen jeweils einen eigenen Ort zur Ausübung ihres Glaubens zur Verfügung zu stellen. Der neue «Raum der Stille» sollte deshalb gemäss einer eigens erlassenen Nutzungsordnung weltanschaulich und religiös neutral gehalten sein, und «religiöse Symbole, Zeichen oder Ähnliches» durften nicht aufgestellt oder angebracht werden. Die Verwaltung des Raumes wurde dem Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) übergeben.

Schon nach relativ kurzer Zeit ergab eine Begehung des Raums durch den AStA, dass dort Gebetsteppiche und Korane gelagert wurden. Ferner lagen arabische Flugblätter und deutschsprachige Belehrungen auf, wie sich Frauen im Raum zu kleiden und zu benehmen hätten (Tragen eines Kopftuchs, Verzicht auf Parfum). Darüber hinaus waren Raumteiler zur Trennung der Geschlechter aufgestellt worden. Dem AStA blieb nichts anderes übrig, als den Raum vorübergehend zu schliessen und das Gespräch mit den für die Verstösse gegen die Nutzungsordnung verantwortlichen Studenten zu suchen. Diese zeigten sich einsichtig und gelobten die Einhaltung der Ordnung.

Gebetsteppiche und Korane

Das stellte sich als reine Spiegelfechterei heraus. Schon bald beschwerten sich Studentinnen, sie würden beim Besuch des «Raums der Stille» am Eingang von muslimischen Studenten abgefangen und darauf hingewiesen, dass sie nur Zugang zu einem kleineren, abgegrenzten Raumteil hätten. Der grössere Raumteil sei Männern vorbehalten. In beiden Teilen des Raumes wurden wieder Gebetsteppiche und Korane gelagert.

Damit war für das Rektorat das Fass übergelaufen. Es schloss vor kurzem den «Raum der Stille». Jetzt wird seine Verwendung als «Baby- und Ruheraum» geprüft. Der einsetzende Proteststurm war zu erwarten gewesen. In einem von 408 Studierenden (was lediglich 1,2 Prozent aller an der TU Dortmund Studierenden entspricht) unterzeichneten Schreiben wurden der Rektorin Verhöhnung, Diskriminierung, antiislamischer Rassismus und Behinderung der Integration vorgeworfen.

In ihrer Antwort vom 3. Februar 2016 wies die Rektorin höflich, aber bestimmt auf das deutsche Grundgesetz hin, nach dem alle Menschen vor dem Gesetze gleich, Männer und Frauen gleichberechtigt seien und niemand wegen seines Glaubens oder seiner religiösen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden dürfe. Dann wurde sie deutlich: «Ihre Anmerkungen zur Bedeutung der Integration greifen wir gerne auf und erlauben uns, zu ergänzen, dass hierzu die Kenntnis und Akzeptanz der in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Gesetze gehört, an die wir alle gebunden sind. Gleichberechtigung von Mann und Frau ist dabei ein unantastbarer Kernbereich.»

Natürlich ist der von der Dortmunder Rektorin zitierte Grundsatz der Rechtsgleichheit in ähnlicher Form auch in der Schweizer Bundesverfassung festgehalten. Er gilt sogar im Kanton Luzern, wo in den Schulhäusern Biregg und Hubelmatt eigens für muslimische Jugendliche, die das zehnte Schuljahr absolvieren, ­Gebetsräume eingerichtet wurden. Sie seien ­geschaffen worden, um Auseinandersetzungen zwischen den Schülern zu vermeiden, liess sich der Luzerner Regierungspräsident vernehmen. Segregation statt Integration also. Ob die Gebetsräume – die auch in Luzern «Raum der ­Stille» heissen – tatsächlich auch von nichtmuslimischen Jugendlichen und jungen Frauen – ohne Kopftuch – benützt werden dürfen oder können, wie der Regierungspräsident beteuert, ist nicht bekannt. Ebenso wenig weiss die Öffentlichkeit, ob dort Gebetsteppiche und Korane gelagert werden dürfen und ob Kruzifixe beispielsweise auch toleriert würden. Eine ­Besichtigung wurde der Weltwoche verwehrt («Pausengebete», Weltwoche Nr. 2/16).

Das von der TU Dortmund klugerweise als zeitlich beschränkter Versuch angelegte Experiment ist an der Unnachgiebigkeit der männlichen muslimischen Studenten gescheitert. Vielleicht ist ja in Luzern alles besser. Die elegante Dortmunder Lösung, aus dem Gebetsraum ­einen Babyraum zu machen, dürfte allerdings in den Luzerner Schulhäusern angesichts des Alters der Schüler und Schülerinnen eher nicht nachgefragt werden.

Christian Huber ist promovierter Jurist. 
Er war Regierungsrat des Kantons Zürich.

Aus «Die Weltwoche», Ausgabe vom 18. Februar 2016